Neuigkeit

Metropolregion Rhein-Neckar GmbH

2.3.2020

Rückblick - Wasserstoff aus Abfällen

Wasserstoff aus Abfällen – Auftaktveranstaltung im Haus der Region

Was eher utopisch anmutet ist bare Realität: Zeiten stinkender Deponieanlagen mit hohen Bergen von Hausmüll und sonstigen Abfällen gehören längst der Vergangenheit an. Mit innovativen technischen Lösungen ist es heute möglich, aus Abfallstoffen reinen Wasserstoff herzustellen, der wiederum direkt im Einsatz von Müllsammelfahrzeugen den Wirtschaftskreislauf optimal schließt.

Auf Einladung der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH und der e-mobil Baden-Württemberg trafen sich im Haus der Region etwa 60 Vertreter aus kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieben und interessierten Unternehmen, um gemeinsam mit Experten diese alternative und umweltfreundliche Erzeugung des Wasserstoffs zu diskutieren.

Bernd Kappenstein, Leiter des Fachbereichs Energie & Mobilität, freute sich über das große Interesse und sah sich gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Manuel Schaloske von der e-mobil BW bestätigt, mit dem Zukunftsthema Wasserstoff den Nerv der aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussion getroffen zu haben.

Wasserstoff gewinnt immer mehr Bedeutung und gilt als Schlüsseltechnologie zur Beendigung des fossilen Zeitalters. Wasserstoff leistet in seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten gerade in der Sektorenkopplung einen entscheidenden Beitrag, so Kappenstein.

Durch Vorgaben der Europäischen Union seien die Kommunen angehalten bei der Beschaffung von Einsatzfahrzeugen für die Fuhrparks von Entsorgungs- und Versorgungsbetrieben auf emissionsarme bzw. emissionsfreie Modelle zu achten. Als Beispiel führte Kappenstein Müllfahrzeuge an, die künftig mit Wasserstoff und Brennstoffzelle emissionsfrei betrieben werden. Vier solcher Müllsammler sind Bestandteil des gewonnenen Förderprojekts „HyPerformer“ und sollen bereits in naher Zukunft in unserer Region eingesetzt werden, stellte Kappenstein in Aussicht. Eine eindrucksvolle Präsentation zeigten dazu Lutz Tesmer und Georg Sandkühler von der Firma Faun, die bereits solche Müllfahrzeuge am Markt anbieten.

 Ein großes Potenzial enthält der in großen Mengen anfallende Müll mit einem relevanten Anteil an recyclebaren Stoffen bzw. nutzbarer Energie, die vor allem in den enthaltenen Kohlenwasserstoffen/Kunststoffen gebunden ist. Wie diese möglichst effizient wieder zurückgewonnen und in Form von sauberer Energie wieder in den Kreislauf überführt werden kann, stand im Mittelpunkt der Präsentationen von drei Unternehmen, die unabhängig voneinander ihre Ideen den interessierten Zuhörern vorstellten.

Dieter Filler von der Firma Exoy präsentierte eine Ultra-Hochtemperatur-Hydrolyse. Dafür notwendig ist eine modulare Anlage, die durch thermische Umwandlung mit einer Betriebstemperatur von mehr als 1100°C Abfallstoffe erhitzt und unter Ausschluss von Sauerstoff am Ende des Verfahrens zu sauberem synthetischem Gas in Form von Wasserstoff umwandelt.

Herbert Kowa und Robert Benoufa stellten das in der Schweiz entwickelte Verfahren der Firma Inaco vor. Das Verfahren soll in Anlehnung an das Konzept einer Bioraffinerie Biomassen und andere biogene Reststoffe in verschiedene Bestandteile zerlegen. Dr. Mathias Ginter von der Abfallwirtschaftsgesellschaft des Neckar-Odenwald-Kreises mbH stellte die erste praktische Umsetzung des Konzeptes am Standort der AWN in Buchen vor.

Das schwedische Unternehmen PLAGAZI wurde durch den Firmeninhaber Torsten Granberg und seinen deutschen Geschäftspartner Robert Bock vertreten. Diese stellten ebenfalls ein modulares Konzept vor. Hierbei steht im Zentrum ein Plasmarektor, der mit über 3000°C die Reststoffe im Laufe des Verfahrens zu reinem Wasserstoff umwandelt.

Alle vorgestellten Anlagen- Konzepte unterscheiden sich insbesondere im Ablauf der Verfahren sowie der Nutzbarkeit von bestimmten Abfallstoffen. Als Fazit der Veranstaltung wurde jedoch klar: Wasserstoff aus Abfällen ist möglich und bietet ein enormes Potenzial für Abfallwirtschaftsunternehmen.

Nach anregender Diskussion und zahlreichen Rückfragen während der Präsentationen nutzten die Teilnehmer das anschließende „Get Together“ zu einem ausführlichen Gedankenaustausch mit den Experten.