Metropolregion Rhein-Neckar

Kultur-Region Rhein-Neckar

Hambacher Schloss

Die geschichtsträchtige Landschaft um Odenwald, Bergstraße, Rheinebene und Pfälzerwald hat das kulturelle Leben der Region und ihrer Bewohner seit jeher geprägt und beeinflusst. Der Fund des „Homo Heidelbergensis“ belegt, dass die Region an Rhein und Neckar vor mehr als 600.000 Jahren zu den frühesten menschlichen Siedlungsgebieten in Europa zählte. Nachhaltige Spuren hinterließen über die Jahrhunderte vor allem Kelten, Römer und Salier. Spätestens seit der Aufklärung und Zeiten der Kurfürsten Carl Philipp und Carl Theodor galt die Region als eines der kulturellen Zentren Europas, das Persönlichkeiten wie Mozart, Voltaire oder Schiller anzog. Während des Hambacher Festes und der Revolution von 1848 waren badische und pfälzische Kräfte maßgeblich an der Etablierung demokratischer Ideale in Deutschland beteiligt. Das Zeitalter der Industrialisierung wurde durch Pionierleistungen aus der Region, wie etwa die Erfindung des Automobils, des Traktors oder die Nutzbarmachung des Haber-Bosch-Verfahrens, entscheidend mitgeprägt. Dieses gesamtkulturelle Erbe der Region ist heute überall und in vielerlei Form präsent und wird mit Stolz gepflegt.

  • Weltkulturerbe
    © Hartmann Linge

    In der Region trifft man überall auf die Zeugnisse einer reichen und bewegten Vergangenheit, die bis heute nachwirkt. Zu den bekanntesten zählen die drei Weltkulturerbe-Stätten:

    • Kaiserdom zu Speyer – Der Speyerer Kaiserdom ist die Kathedrale des Bistums Speyer und hat die Stellung einer päpstlichen Basilika. Er zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Romanik und ist die größte erhaltene romanische Kirche in Europa. Im Jahre 1981 wurde der Kaiser- und Mariendom zu Speyer, so der volle Name, von der UNESCO in die Liste des Kulturerbes der Welt aufgenommen. Als Grabstätte salischer, staufischer und habsburgischer Herrscher gilt der Dom als Symbol des mittelalterlichen Kaisertums.
    • Kloster Lorsch – Das Kloster Lorsch ist eine ehemalige Benediktiner-Abtei im südhessischen Lorsch. Die über 1.200 Jahre alte Stätte war im Mittelalter ein bedeutendes europäisches Kulturzentrum und gilt heute als das einzige vollständig erhaltene Baudenkmal der Karolinger-Zeit. Als eines der bedeutendsten Relikte vorromanischer Architektur in Deutschland wurde es 1991 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Im 12. Jahrhundert entstand hier der „Lorscher Codex“, die älteste geschriebene Quelle zur Geschichte von hunderten Orten der Region. Dieses „Grundbuch“ enthält einzigartige Abschriften von Urkunden und Karten und wird heute im bayerischen Staatsarchiv in Würzburg aufbewahrt.
    • Obergermanisch-Rätischer Limes – Der Obergermanisch-Rätische Limes beschreibt den seinerzeit insgesamt ca. 550 km langen Abschnitt der Außengrenze des Römischen Reichs zwischen Rhein und Donau. Heute gilt der Limes nach der Chinesischen Mauer als zweitgrößtes Bodendenkmal der Welt und größtes archäologisches Denkmal Europas. Errichtet wurde der Limes etwa Anfang des 2. Jahrhunderts von Kaiser Trajan. Er verläuft im Odenwald über rund 80 Kilometer von Wörth (am Main) im Norden bis nach Bad Wimpfen (am Neckar) im Süden. Im Gebiet der Metropolregion Rhein-Neckar finden die römischen Zeugnisse bspw. in Adelsheim, Buchen, Mudau, Mosbach und Walldürn Erwähnung. Seit 2005 ist der Limes UNESCO-Welterbe. Erkunden kann man ihn auf mehreren touristischen Routen, mit dem Auto, dem Fahrrad oder auf Wanderwegen. Mehr über das frühere Leben beidseits des Limes erfährt man im Römermuseum von Osterburken. Eine spannende Zeitreise zurück in die Alltagswelt der Römer kann man auch im Terra Sigillata Museum in Rheinzabern unternehmen.
  • Schlösser, Burgen, Sakralbauten

    Mehr als 150 stattliche Burgen, prachtvolle Schlösser und imposante Sakralbauten prägen das Bild der Städte und Landschaften an Rhein und Neckar und zeugen von einer bewegten Regionalgeschichte. In unterschiedlichster Form repräsentieren sie vor allem die Zeit des Hochmittelalters und das Wirken der Adelsgeschlechter. Dass Burgruinen nicht nur pittoreske Postkartenmotive sind, sondern gerade heute Schauplätze vielseitiger Kulturveranstaltungen, zeigen Beispiele wie Burg Guttenberg bei Haßmersheim im Odenwald (älteste Greifenwarte Europas), Burg Trifels bei Annweiler, Madenburg bei Eschbach, Burgruine Hardenburg und Klosterruine Limburg bei Bad Dürkheim, Burg Hornberg bei Neckarzimmern oder die Vierburgenstadt Neckarsteinach.

     

    Die Kurfürstlichen Residenzschlösser in Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen repräsentieren die große Zeit der Kurpfalz, die besonders unter Kurfürst Carl Theodor im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der europäischen Kulturszene avancierte. Heute rangiert das imposante Heidelberger Schloss unter den beliebtesten touristischen Sehenswürdigkeiten der Republik, wozu auch das dort untergebrachte Deutsche Apotheken-Museum beisteuert. Das Mannheimer Schloss gilt nach Schloss Versailles als der zweitgrößte Barockschlosskomplex Europas und beheimatet heute die Universität Mannheim. Nicht zuletzt aufgrund seiner einzigartigen Gartenanlage ist das Schwetzinger Schloss ein potentieller Kandidat für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe. Das Hambacher Schloss bei Neustadt an der Weinstraße war 1832 Schauplatz des Hambacher Fests und trägt aufgrund seines Symbolcharakters den Beinamen „Wiege der deutschen Demokratie“.

     

    Zu den bedeutenden Sakralbauten gehört, neben den Weltkulturerbestätten Speyerer Dom und Kloster Lorsch, auch der Kaiserdom St. Peter in Worms. Er trägt ebenfalls den Ehrentitel einer päpstlichen Basilika und stellt ein weiteres bedeutendes Zeugnis der Romanik dar. Alljährlich im Sommer bildet er die monumentale Kulisse der Nibelungenfestspiele. Zu den bedeutendsten Stätten jüdischer Geschichte gehören in Worms die Synagoge und der Friedhof „Heiliger Sand“. Beide stammen aus dem 11. Jahrhundert. Der Heilige Sand gilt damit als ältester jüdischer Friedhof Europas.

  • Museen

    In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es mehr als 200 Museen. Allein die nackte Zahl lässt vermuten, dass die Regentage in dieser sonnenverwöhnten Gegend bei weitem nicht ausreichen, um bei der Fülle an musealen Ausstellungen auf dem Laufenden zu bleiben. Man sollte daher durchaus auch mal bei gutem Wetter einen Ausflug zu den Schätzen der Region erwägen. Die vielfältige und lebendige Museumsszene jedenfalls bringt Einheimischen und Touristen Kulturgüter aus allen Epochen und Schaffensbereichen näher. Und durch die kurzen Wege in der Region lassen sich innerhalb eines Tages sowohl Römische Artefakte als auch ein Spaceshuttle bewundern.

     

    Zu entdecken gibt es ein ganzes Kaleidoskop der Kulturhistorie: von der Urgeschichte über die Antike bis ins Mittelalter, vom Barock über die Romantik bis in die Moderne und die Gegenwart. Zu bestaunen sind z. B. der mit rund 2.000 Jahren älteste noch flüssige Wein der Welt, der „Goldene Hut von Schifferstadt“, das Soufflierbuch zur Uraufführung von Schillers Drama „Die Räuber“ oder eines der größten Miró-Kunstwerke der Welt. Letzteres bildet die stadtbildprägende Außenfassade des Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museums. In seinem Inneren findet man eine der landesweit größten Sammlungen moderner Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

     

    Weitere bedeutende Sammlungen beherbergen die Kunsthalle Mannheim (Malerei und Skulptur vom 19. bis 21. Jahrhundert), das Historische Museum der Pfalz in Speyer (Landes-Kulturgeschichte bis ins 20. Jahrhundert), das Kurpfälzische Museum Heidelberg (Kunst- und Kulturgeschichte des 15. bis 20. Jahrhunderts), das POLLICHIA-Museum Bad Dürkheim (Naturkunde), die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben (Werke des pfälzischen Impressionisten Max Slevogt) und das Erkenbert-Museum Frankenthal (Stadtgeschichte). Das Nibelungenmuseum in  Worms widmet sich mit einer interaktiven Multimedia-Schau dem weltberühmten Sagenstoff.

     

    Zu einem der europaweit renommiertesten Häuser zählen die Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim. Mit über einer Million Exponaten auf mehr als 11.000 Quadratmetern Fläche bildet der Komplex inmitten der Quadratestadt den größten seiner Art in Süddeutschland. Die aufwendig inszenierten Sonderausstellungen aus den Bereichen Archäologie, Weltkulturgeschichte und Fotografie sind Anziehungspunkt für hundertausende Besucher und immer wieder Anlass für Gesprächsstoff. Größter Beliebtheit erfreuen sich auch die Technik-Museen in Speyer und Sinsheim mit ihren einmaligen Schauen über die Meilensteine der Automobilgeschichte und der Luftfahrt. Technische und naturwissenschaftliche Errungenschaften der Vergangenheit, der Moderne und Zukunft setzt das Technoseum Mannheim spannend in Szene.

  • Theater und Lichtspielhäuser

    „Vorhang auf!“ heißt es in der Region auf über 110 Theater- und Kleinkunstbühnen. Als bundesweit ältestes kommunales Vierspartenhaus blickt das Mannheimer Nationaltheater auf die längste Geschichte zurück. Schon kurz nach seiner Gründung sorgte es 1782 mit der legendären Uraufführung von Friedrich Schillers „Räubern“ für Aufsehen und ebnete sowohl den Erfolgsweg des Hauses als auch den des Dichters. Überregionale Beachtung finden heute auch das Ludwigshafener Theater im Pfalzbau und das Stadttheater Heidelberg. Zu den beliebtesten Volkstheatern gehören das mehrfach preisgekrönte „Chawwerusch“ in Herxheim sowie das Mannheimer „Schatzkistl“ und das Prinzregenten-Theater in Ludwigshafen. Cineasten haben die Wahl zwischen über 40 verschiedenen Lichtspielhäusern in der Region. Das Spektrum reicht von modernen Multiplex-Ketten über IMAX-Theater bis zu charmanten Programmkinos.

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