Logo der Metropolregion Rhein-Neckar

 
Webseite ausdrucken

Maximilian Simon


MRN-Botschafter in:

Sertaozinho, Brasilien

Aufenthalt:

Juli 2009 bis Juni 2010

Alter:

17 Jahre

Wohnort:

Deidesheim, Rheinland-Pfalz

Heimat-Schule:

Hannah-Arendt-Gymnasium, Haßloch

Lieblingsfächer:

Geschichte, Sport, Biologie

Hobbies:

Fußball, Volleyball, Freunde treffen

Berufswunsch:

noch nicht festgelegt

Mein Lebensmotto:

Versuche es, scheitern kann es immer noch

MRN heißt für mich:

Heimat

Mein Lieblingsplatz in der MRN ist:

Deidesheim

Von meinem Auslandsaufenthalt erwarte ich mir:

Viele neue Erfahrungen z. B. neue Kultur, neue Sprache oder neue Freunde

MRN-Botschafter zu sein bedeutet für mich:

Die Heimat zu repräsentieren

 

 

 


Webtagebuch


Samstag, 17. Juli 2010

 

Hallo zusammen,  

 

das wunderbare Jahr in Brasilien ist leider Gottes vorbei. Nun noch ein letzter Bericht über die letzten Monate und Tage und auch die ersten Tage zurück in der Heimat.  

 

Wie bereits erwähnt, war es in den letzen Monaten und Wochen Winter in Brasilien. Dies hat die Brasilianer allerdings nicht davon abgehalten die Fußballweltmeisterschaft gebührend zu feiern. Das in Deutschland wohlbekannte „public viewing“ hat mittlerweile auch seinen Weg bis nach Brasilien gefunden. Aus diesem Grund waren die letzten 2 Wochen meines Aufenthaltes auch eines der vielen Highlights.  

 

Denn wenn sich Menschenmassen schon gegen 8 Uhr Morgens (Übertragungszeit des 1. Spiels des Tages) treffen, um dann frenetisch ihr Team anzufeuern, hat mir das wieder einmal gezeigt, wie fußballverrückt dieses Land doch ist. Dementsprechend waren meine Freunde und Bekannten in Brasilien auch enttäuscht, als die "Seleçao" für brasilianische Anspruche schon früh aus dem Turnier ausgeschieden ist.  

 

 

Nun aber noch einmal zu den anderen Geschehnissen. Wie ich bereits geschrieben habe, habe ich brasilianisches Jiu-Jitsu trainiert. Mein Meister hat mir erzählt, dass aus dem brasilianischen Jiu-Jitsu das bei uns so bekannte Judo geworden ist. Die Europäer haben von den Brasilianern gelernt aber die Brasilianer haben sie nicht alles gelehrt. So entstand das Judo. Allerdings bin ich mir bei dieser Geschichte nicht allzu sicher. Obwohl ich sie schon lustig fände. Die Sportart gefällt mir so sehr, dass ich sie auch in Deutschland fortführen werde. Es ist einfach ein wunderbarer Sport, der Koordination und Kraft vereint.

 

 

Wie sich bestimmt jeder denken kann, habe ich auch eine Abschiedsparty gegeben. Ich habe mir gedacht, dass ich sie – da ich nun schon fast ein Brasilianer bin – auch im brasilianischen Stil machen werde. Deshalb haben meine engsten Freunde und ich eine Grillparty organisiert. Wie es in Brasilien üblich ist, hat sie schon am Nachmittag begonnen und ging bis in die frühen Morgenstunden. Für mich war es ein Abschiedsfest das zwei Seiten hatte. Einerseits war ich glücklich, auf einmal alle meine Freunde zusammen zu haben. Andererseits war mir die ganze Zeit bewusst, dass es für lange Zeit die letzte Party mit ihnen sein würde. Aber trotz allem war es ein wunderbares Fest. Ich werde es nie vergessen.

 

 

Nach diesem teilweise traurigen Ereignis kam ein noch traurigerer Moment. Der Abschied von meiner Familie. Es gab nur einen klitzekleinen Teil der gut daran war. Ich würde endlich wieder meine Familie in Deutschland sehen. Diese hat mich dann in Frankfurt am Flughafen erwartet mit schönem Willkommens-Plakat.  

 

Zum Schluss noch einmal ein RIESIGES DANKESCHÖN an die Metropolregion Rhein-Neckar. Mir wurde ein WUNDERBARES Jahr ermöglicht. DANKE SEHR dafür!!!  

 

ABRACO MAX  

 

Montag, 17. Mai 2010

 

Hallo Deutschland!  

 

So langsam neigt sich alles dem Ende zu. Ein Monat, um das Leben hier noch zu genießen! Ich habe große Hoffnungen, dass dieser Monat der Beste wird. Die besten Feste stehen vor der Tür und vor allem werde ich die Hälfte der Weltmeisterschaft hier miterleben!  

 

 

Schon jetzt ist sie das Hauptgesprächsthema. Die Erwartungshaltung ist sehr hoch. Jeder rechnet mit einem Sieg von Brasilien. In dieser Woche wurde der Spielerkader der "Seleção" bekanntgegeben. Ein Ereignis, für das die Schule unterbrochen wurde, denn die Schulleitung hat extra für die Weltmeisterschaft einen Fernseher in der Schule aufgestellt. Allerdings werden "nur" die Spiele der Titelfavoriten gezeigt (hier werden die Spiele um 8.30 Uhr, 11.30 Uhr und 15.30 Uhr übertragen). Die Berufung der Spieler für die Nationalmannschaft ist hier ein sehr, sehr großes Diskussionsthema, denn der Nationalmannschaftstrainer hat nach dem Befinden von vielen Leuten nicht die Besten gerufen. So wurde ein sehr hoch gehandeltes Talent und der Weltstar Adriano nicht von ihm gerufen. Dies führte bis zu Schlägereien der zwei Meinungslager!!!

 

Es ist immer wieder lustig, wenn Leute nach dem Finale der Weltmeisterschaft fragen, denn sie gehen nicht einmal davon aus, dass Brasilien nicht vertreten sein wird. Wenn ich dann antworte „Deutschland gegen Spanien“ wird immer lautstark reklamiert und auch böse reagiert.  

 

 

 

So noch mal zu meinem restlichen Leben: Mein Bruder hat es geschafft, bei einer hochangesehenen Universität aufgenommen zu werden. Aus diesem Grund bin ich jetzt Einzelkind hier. Hat seine Vorteile aber auch Nachteile...  

 

Ich habe mit brasilianischem Jiu-Jitsu angefangen. Eine Kampfsportart, in der man ohne schlagen und treten versuchen muss, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen. Macht mir sehr viel Spaß!!!  

 

In Brasilien trifft jetzt langsam der Winter ein. Das bedeutet, hier in meiner Gegend wird es über Nacht schon relativ kalt aber über den Tag werden es dann doch wieder 30°C. In anderen Gegenden ist es sehr viel schlimmer. Im Süden des Landes wird es richtig kalt und es regnet richtig viel…so viel, dass ganze Stadtteile unter Wasser stehen. Das heißt richtig unter Wasser stehen, bis zum Dachgiebel!!!  

 

Aber trotz allem werde ich das Leben hier noch weiter genießen...  

 

Liebe Grüße  

Max

 

Montag, 29. März 2010

 

Hallo Deutschland,  

 

mittlerweile sind 8 Monate vergangen. Die besten 8 Monate meines Lebens!  

 

 

In dieser Zeit ist einiges geschehen. Meine Sprachkenntnisse haben sich zum einen extrem verbessert und zum anderen ein wenig verschlechtert. Portugiesisch wurde sehr viel besser und Deutsch hat sich relativ verschlechtert. In diesen 8 Monaten habe ich Sachen gesehen, die ich mir so nie vorgestellt hatte. Wunderschöne aber zum Teil auch traurige Sachen. Wunderschöne Strände und Städte. Aber dann auch solche Sachen wie Strände nur für Weiße oder in den Städten Favelas (Armutsviertel) ohne Wasserleitungen.

Für mich war das zweifelsohne wunderschöne Rio de Janeiro das perfekte Beispiel oder besser gesagt ein sehr schockendes Beispiel!!! Wenn man in die Stadt hineinfährt, ist der Weg rechts und links von Favelas gesäumt. Aber trotz all der Armut ist man unweigerlich gebannt vom Christo, der über der Stadt aufragt und dem wunderbaren Meer.

Die Gegend um Copacapana, Christo und Zuckerhut ist einfach wunderschön, aber leider Gottes auch sehr gefährlich. Ich habe es selbst erfahren. Mir wurde bei 45° C schlecht und ich habe mich übergeben. In diesem Moment hat mir ein Mann die gekauften Souvenirs aus der Hand gerissen und ist davon gerannt. Dies ist alles innerhalb von weniger als 10 Sekunden passiert, sodass niemand aus meiner 40-köpfigen Gruppe helfen oder den Mann aufhalten konnte.

 

 

Ein weiteres unvergessliches Ereignis geschah vor genau einer Woche an einem Freitagabend. Ich war allein zu Hause. Gegen 12 Uhr hat unser Hund angefangen zu bellen, also bin ich nach vorne an die Haustür gelaufen, um zu schauen warum. Als ich dort angekommen bin, habe ich zwei Männer das Hoftor aufbrechen sehen. Im ersten Moment wusste ich nicht, was ich machen sollte. Ich habe mich dann aber an die Worte meines Bruders erinnert, der mir im ersten Monat einmal spaßeshalber gesagt hat, wenn Einbrecher ins Haus kommen, solle ich seinen Hockeyschläger nehmen und sie vertreiben. Ich bin also schnell in sein Zimmer gerannt und habe mir den Hockeyschläger geschnappt. Außerdem habe ich mir das Telefon genommen und versucht meine Mutter anzurufen. Die hatte allerdings ihr Handy zu Hause gelassen, also war ich ohne Chance sie zu erreichen. Dann hat es plötzlich an der Haustür angefangen zu kratzen. Ich habe mich daraufhin hinter die Tür gestellt und gewartet. Diese haben die zwei Männer dann aufgetreten. In dem Moment, in dem der Erste den ersten Schritt ins Haus gemacht hat, habe ich ihm den Hockeyschläger auf die Brust geschlagen. Er hat laut aufgeschrien, ist hingefallen und hat mich angestarrt. Dann ist er schnell aufgesprungen und dem zweiten Mann hinterher und abgehauen. Ich hab die beiden noch schreiend bis zum Hoftor verfolgt. Durch den Lärm sind Nachbarn auf die Strasse gekommen. Diese haben dann die Polizei gerufen. Dadurch habe ich auch die Nummer erfahren 190 (immer gut zu wissen)!!!

 

In diesem Moment ist meine Mutter allerdings schon nach Hause gekommen. Sie war extrem glücklich, dass ihr Haus nicht ausgeraubt wurde. Zwanzig Minuten später ist dann die Polizei eingetroffen. Der Polizist hat mir erstmal gratuliert zu meiner nach seiner Meinung "Heldentat". Kein Brasilianer hätte das gemacht, denn hier haben sie alle Angst der Bandit könnte eine Schusswaffe dabei haben. Daran habe ich allerdings nicht gedacht! Danach kam eine Frage, die er leider ernst gemeint hat: „Warum hast du ihn nicht umgebracht?“ Ich war ziemlich geschockt! Aber diese Sache hat ein weiteres Mal mein relatives schlechtes Bild der Polizei bestätigt.  

 

Dies waren die zwei Ereignisse, die besonders einprägsam waren. Die restliche Zeit ist es hier einfach wunderbar!!    

 

abraço max

 

Dienstag, 12. Januar 2010

 

Hallo Deutschland!  

 

Mittlerweile ist der 5. Monat vorbei. Somit ist Halbzeit. Ich hoffe sehr stark die zweite Hälfte wird genauso gut wie die erste.  

 

 

Nach den anfänglichen Sprachproblemen, die eigentlich normal sind, klappt es jetzt nach meinem Empfinden sehr sehr gut mit portugiesisch. In den letzten Wochen war hier sehr viel los. Es standen gleich zwei sehr große Feste an: Weihnachten und Silvester. In dieser Zeit kommt das Alltagsleben fast vollständig zum erliegen. Jeder lebt nur von Party zu Party. Sogar die ältere Generation lässt es sich nicht nehmen, an jeder Party teilzunehmen. Für mich war dieses Weihnachten sehr unterschiedlich zu dem Weihnachten, das ich aus Deutschland kenne. Tagsüber waren es mehr als 35° Celsius und sogar in der Nacht war es noch so warm, dass man ohne Probleme im Pool schwimmen konnte. Das waren die äußerlichen Bedingungen.

 

 

Aber das Fest an sich war auch sehr unterschiedlich zu einem deutschen Weihnachten. Es begann erst als die Temperatur ein bisschen gesunken war, um 10 Uhr Abends. Es wurde als riesiges Familientreffen gefeiert, d.h. es waren Leute dort, die sich noch nie vorher gesehen hatten, denn jeder hat eine Tante, Cousine, usw. aus dem anderen Familienteil mitgebracht. Somit waren es ungefähr 60 Personen, mit denen ich gefeiert habe. In Brasilien ist Weihnachten erst am 25.Dezember. Aus diesem Grund kam der Weihnachtsmann auch pünktlich um 12 Uhr. Diese Tradition ist die gleiche wie in Deutschland: ein Onkel zieht sich ein Kostüm an und verteilt die Geschenke an die kleinen Kinder. Und natürlich auch an die gaaannnnz großen Kinder :-)

 

 

In der nächst größeren Stadt gibt es ein sehr großes Einkaufszentrum. Als ich dort zum ersten Mal in der Weihnachtszeit war, habe ich keinen Unterschied zu Deutschland gesehen. Überall hingen Nikoläuse oder Schneeflocken. Brasilianer mögen die Vorstellung der weißen Weihnacht.

 

In der Zeit zwischen Silvester und Weihnachten werden viele Hauspartys veranstaltet zum entspannen...Naja, man kann sich nicht wirklich entspannen, weil die Partys um 12 Uhr beginnen und mit dem Sonnenaufgang beendet sind. Somit fehlt einem mit der Zeit der Schlaf...aber es waren auf jeden Fall sehr außergewöhnliche Weihnachtsfeiertage…mit schwimmen im Pool und Sonnenbrand habe ich sie noch nie erlebt.

 

Silvester war wieder ein großes Familienfest. Allerdings wieder in anderer Konstellation, aber trotzdem sehr sehr gut. Das Fest fand in einem Farmhaus etwas außerhalb der Stadt statt. Deshalb hatten wir perfekte Sicht auf das Feuerwerk, das Punkt 12 Uhr losging. Es unterschied sich kaum von einem deutschen Feuerwerk. Auch hier wurde sehr viel verschossen…allerdings viel gefährlicher: ich habe von vielen Leuten gehört, die sich an einem Feuerwerkskörper verletzt haben! Die Familienfeier war gegen 1 Uhr vorbei. Danach ist jeder zu einer anderen Party gegangen, sogar die Ur-Oma war bis um 5 Uhr morgens unterwegs. Es waren auf jeden Fall unvergessliche Weihnachten und Silvester, sehr verschieden zu Deutschland aber auch sehr sehr gut!!!  

 

Also dann viele Grüsse nach Deutschland

abrçao max  

 

Donnerstag, 5. November 2009  

 

Hallo MRN,  

 

hier sind mittlerweile drei Monate vergangen, drei sehr, sehr gute Monate! Ich wohne hier in einer "Kleinstadt" (Sertaozinho) mit 100.000 Einwohnern. Die Stadt ist relativ schön, aber so groß dass ich bisher noch nicht alles gesehen habe. Ich gehe hier auf eine Privatschule, da die öffentlichen Schulen nicht in der Lage sind das nötige Wissen für die Universität zu vermitteln. Ich brauche das nicht, aber es ist für jeden selbstverständlich, das ein Weißer auf eine Privatschule geht.

 

Das ist mir echt extrem aufgefallen, hier wird extrem zwischen Weiß und Schwarz unterschieden. Am Wochenende wenn man weggeht, kann man entweder in eine Bar gehen mit weißen Leuten oder in eine Disko mit schwarzen Leuten. Am Anfang hat mich dass echt geschockt, wie stark das Leben hier getrennt ist. Aber als ich die Brasilianer gefragt habe, bekam ich nur als Antwort bekommen "Das ist normal". Naja für mich noch nicht! Aber ansonsten sind die Brasilianer sooo freundlich und offen; sie machen es einem wirklich sehr einfach Freunde zu finden und etwas zu unternehmen.

 

 

Es ist jedes Mal aufs Neue überraschend, wie offen hier mit einander umgegangen wird. Ein Beispiel: Es gab ein großes Fest in den ersten Wochen; ich konnte mich fast überhaupt noch nicht verständigen. Dies hat eine Gruppe von Leuten gemerkt und hat mir geholfen die Sachen zu bestellen und  danach noch lange mit mir erzählt. Das war zwar sehr kompliziert, denn niemand konnte Englisch, aber auch sehr, sehr freundlich. Ich habe bis heute mit ihnen Kontakt obwohl sie 3 Stunden entfernt wohnen.   

 

 

Das Essen hier ist relativ einseitig, es gibt eigentlich jeden Tag Reis und Bohnen mal mit Fleisch mal mit Kartoffen. Aber es schmeckt auf jeden Fall sehr, sehr gut. Mittlerweile ist es schon fast Sommer, das bedeutet 35 Grad im Schatten und keinerlei Wind. Meine Familie hat mir gesagt, dass 43 Grad normal im Sommer sind. Das ist dann sogar für Brasilianer heiß! Das Schwimmbad hier hat leider nicht immer offen. Es hat erst Mitte Oktober geöffnet. Fußball wird hier nicht im Verein gespielt. Man muss immer, wenn man spielen möchte, genug Spieler suchen. Das war am Anfang kompliziert, aber mittlerweile klappt das auch.

 

 

 

Hier in meiner Stadt ist die beste Hockeymannschaft Brasiliens. Allerdings nicht das Feldhockey wie es in Deutschland gespielt wird, sondern mit Rollschuhen und in der Halle. Es ist relativ anstrengend, da es sogar um 10 Uhr abends noch so heiß in der Halle ist, dass man im Stehen schon schwitzt. Aber es macht auf jeden Fall viel Spaß.  

 

Grüße aus Brasilien an das mittlerweile kalte Deutschland!  

 

Abraço, (=“Umarmung“)  

 

Max