
Die Gerberei 1849-1929
Von 1849-1929 wurde ausschließlich feinstes Oberleder hergestellt.
1849 übernahm Carl Johann Freudenberg mit seinem Partner Heinrich Christian Heintze aus der Liquidation der Firma Heintze und Sammet eine Gerberei im Müllheimer Tal vor der Stadt Weinheim. Mit neuen, modischen Produkten wie Lack- und Satinleder wuchs das Unternehmen und exportierte in alle Welt.
Zwischen 1900 und 1904 entwickelte Hermann Ernst Freudenberg, Sohn des Firmengründers, in eigenen Versuchen als erster in Europa ein Verfahren zur Gerbung mit Chrombrühe statt mit vegetabilen Stoffen. Dadurch verkürzte sich die Produktionszeit um Monate und Freudenberg wurde eine der grössten Gerbereien Europas. Die Zeit des Ersten Weltkrieges, der Inflation und der Wirtschaftskrise von 1929 traf das Unternehmen hart: Bisher waren immer 60-70% des fertigen Leders exportiert worden. Das wurde nun unmöglich und stellte die Enkel des Firmengründers vor die Frage: Wie geht es weiter?
Diversifikation 1929-1949
Dichtungen, Kunstleder, Kunstkautschuksohlen, Vliesstoffe und Bodenbeläge am Beginn der neuen Orientierung.
Die Enkel des Firmengründers Carl Johann Freudenberg, Hans Freudenberg als Ingenieur, Richard Freudenberg als Verantwortlicher für Personal und Finanzen, Otto Freudenberg als Zuständiger für den Verkauf und Walter Freudenberg für den Einkauf wagten eine neue Politik.
Man begann, zunächst Lederreste zu verwerten und dann Ersatzstoffe zu entwickeln. So wurden ab 1929 Dichtungen aus Leder, von 1936 an Radialwellendichtringe mit einer Dichtlippe aus dem Kunstkautschuk Perbunan hergestellt, die unter dem Namen "Simmerringe" ein Begriff wurden. Aus dem Kunstkautschuk Buna S und Buna N entwickelten die Chemiker und Ingenieure bei Freudenberg Kunstleder und Gummischuhsohlen, schliesslich Fussbodenbeläge und Vliesstoffe, die die Weiterentwicklung des Trägermaterials für das Kunstleder darstellen. Die Vliesstoffe wurden bald als überall einsetzbar erkannt: Seit 1948 gibt es Einlagestoffe unter dem Namen "Vlieseline", Haushaltprodukte mit der Marke "Vileda" und seit 1957 ein immer weiter entwickeltes Programm von Filtern für Industrie und Konsum mit der Marke "Viledon". Die Dichtungen und Formteile werden seit 1934 mit den Kunden zusammen massgerecht konstruiert.
Internationale Ausrichtung 1950-1995
Freudenberg investiert im In- und Ausland und wird zum weltweiten Unternehmen.
Der Wiederaufbau nach dem Krieg brachte auch die Möglichkeit, von neuem im Ausland zu investieren. Es gab bereits vor dem Krieg in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Grossbritannien Produktionsstandorte. 1951 begann man, mit einem amerikanischen Partner in USA Vliesstoffe zu produzieren. 1955 folgte eine Fabrik für Formteile, 1968 kam eine Beteiligung an einem Dichtungshersteller dazu.
Zugleich wurde auch in Europa weiter investiert: Beteiligungen und eigene Werke in Grossbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Italien und anderen europäischen Ländern wurden aufgebaut, 1960 kamen Investitionen in Japan dazu. Schliesslich baute Freudenberg von 1970 bis 1989 ein weltweites Netz von Produktions- und Vertriebsstandorten auf, zu dem Nord-, Mittel- und Südamerika, Australien, Südafrika und Ostasien gehören.
Auch die Produktpalette wurde erweitert. Im eigenen Hause wurde 1962-1965 die Technik der Spinnvliesstoffe entwickelt, die heute für Anwendungen in der Medizin, in der Landwirtschaft und der verarbeitenden Industrie dient. 1966 erwarb man den Schmierstoffhersteller Klüber Lubrication, um die Dichtungskompetenz auf die Tribologie abstimmen zu können.
Kundenorientierte Unternehmensstruktur 1996
Freudenberg schafft eine neue Struktur für die Herausforderungen der Zukunft.
Durch die neue Sicht der Welt nach dem Zerfall der Sowjetunion 1989 und die Öffnung Osteuropas und Chinas kamen neue Herausforderungen auf Freudenberg zu.
Um besser agieren und reagieren zu können, wurden kleinere Einheiten mit Spezialisierung auf einen bestimmten Markt gebildet: Die alte Stammfirma Carl Freudenberg wurde 1995 in selbständige Kommanditgesellschaften aufgeteilt, als Führungsgesellschaft der neuen Töchter wirkt die Freudenberg & Co. Kommanditgesellschaft.
Konzern im Wandel seit 1996
Freudenberg konzentriert sich auf zukunftsträchtige Geschäftsfelder.
Zwischen 1999 und 2002 verkauft Freudenberg seine Schuhaktivitäten (Tack, Elefanten) und schließt die Gerberei. Damit trennt sich die Unternehmensgruppe von ihrem Ursprungsgeschäft, der Herstellung von Leder.
Im Gegenzug verstärkt die Gruppe ihr Engagement in strategischen Geschäftsfeldern. Mit dem Kauf wesentlicher Teile der Burgmann Dichtungswerke im Jahr 2004 wird der Bereich Dichtungs- und Schwingungstechnik gestärkt. Im gleichen Jahr erwirbt die Unternehmensgruppe den US-Trennmittel-Hersteller Chem-Trend, der zusammen mit Klüber Lubrication und dem Schmierstoffhersteller OKS die neue Geschäftsgruppe Freudenberg Chemical Specialities bildet. Auch das Geschäftsfeld Haushaltprodukte rundet sein Programm mit internationalen Zukäufen ab.
Innovationen die Geschichte machten
Lackleder
1850 war Lackleder das erste neue Produkt mit neuer Technik, das die Entwicklung der Firma beförderte.
Chromgerbung
Um 1900 führte Freudenberg als erstes Unternehmen in Europa die Gerbung mit Chrombrühe ein und wurde damit zu einer der grössten Gerbereien Europas.
Dichtungen aus Leder
Mit Dichtungen aus Leder begann Freudenberg 1929 die Diversifizierung.
Der Simmerring
Mit der Entwicklung des Simmerringes 1932 wurde Freudenberg zum wichtigen Zulieferer der Maschinen - und Automobilindustrie.
Beginn der Elastomerverarbeitung
Mit der Verarbeitung von Buna und Perbunan begann 1936 bei Freudenberg der Einstieg in die Kautschukverarbeitung, die heute zu den grossen Kompetenzen des Unternehmens zählt.
Schuhsohlen
1938 wurden zum ersten Mal Buna-Schuhsohlen als Ersatz für Ledersohlen auf den Markt gebracht.
Kunstleder auf Vliesstoff
Ab 1938 verkaufte man bei Freudenberg entwickeltes Kunstleder Marke "Viledon" als Ersatz für das nicht mehr ausreichend vorhandene Leder.
Vliesstoffe
Das Trägermaterial für das Kunstleder wurde weiterentwickelt und von 1948 an als Einlagestoff, Putztuch oder von 1957 an als Filter angeboten.
Bodenbeläge
Von 1950 setzte man die Erfahrung mit den Kautschuk-Sohlen für die Erzeugung von Bodenbelägen aus Kautschuk ein.
Verbesserte Werkstoffe
Die Innovation in der Elastomerverarbeitung blieb stets auf dem neusten Stand: Silikon- und Fluorkautschuk, Teflon und andere Werkstoffe wurden aufgenommen und ihr Einsatz weiterentwickelt.
Schwingungstechnik
1957 erwarb Freudenberg eine Lizenz zur Herstellung von schwingungstechnischen Teilen.
Spinnvliese
1962-1965 entwickelte man bei Freudenberg die neue Technik der Spinnvliesstoffe.
Tribologie
1966 erwarb Freudenberg die Firma Klüber Lubrication in München und führte ihre Entwicklung zu einem bedeutenden weltweiten Anbieter von Spezialschmierstoffen weiter.
Einstieg in die Elektronik
1977 wurde der erste Schritt zur Produktion von elektromechanischen Bauteilen und gedruckten Schaltungen getan. Heute produziert man mit Partnern Flexible Leiterplatten für elektrische und elektronische Geräte.
Prozessoptimierung durch Growtth
Nach dem Vorbild der NOK (Nippon Oil Seals Corp., Japan) und der FNGP (Freudenberg NOK General Partnership, USA) wurde 1994 die Methode Growtth (Akronym für "Get rid of waste through team harmony") zur ständigen Prozessoptimierung bei Freudenberg eingeführt. In der Folge übernahmen Dichtungs- und Schwingungstechnik, Vliesstoffe, Anlagen- und Werkzeugtechnik und Leder die neue Technik für ständige Verbesserung und passten sie ihren jeweiligen Anforderungen in ihrer Produktion an.
Komplettlösungen
Seit Mitte der 90er Jahre bietet Freudenberg seinen Kunden Komplettlösungen an, zu denen Produkte mit der Kombination unserer besten Kompetenzen gehören.
Einstieg in die Gewebetechnik
Aufbauend auf einer Mitte der 90er Jahre geknüpften Partnerschaft zu einem Spezialisten für Gewebe in der Schweiz ergänzte Freudenberg seit 1998 durch den Erwerb einer Gewebe-Produktion in Italien die bisherige Spinnvliesstoff- und Faservlisstofftechnik durch die Gewebetechnik.
Evolon
Ein neues, innovatives Verfahren in der Herstellung von Vliesstoffen ist zur Jahrtausendwende in Weinheim entwickelt worden: Wasserstrahlverfestigte Mikrofaser-Vliesstoffe werden in einem einzigen durchgehenden Verfahren von Polymergranulat zur textilen Fläche erzeugt. Damit wird Vliesstoff auch zum Material für Bekleidung, Dekoration oder Tischwäsche.